Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Mitarbeiter des Landratsamtes Neumarkt in der Oberpfalz ist der mutmaßliche Täter in der Nacht zum Freitag festgenommen worden. Spezialeinsatzkräfte drangen gegen 2.20 Uhr in das Wohnhaus des 60-Jährigen ein. Bei dem Zugriff kamen auch Sprengmittel zum Einsatz. Der Tatverdächtige wurde durch Polizeischüsse am Bein verletzt. Die Kriminalpolizei Regensburg ermittelt zu den Hintergründen der Tat.

Nächtlicher SEK-Zugriff beendet dramatischen Polizeieinsatz

Berngau (Bayern) – Mehr als zwölf Stunden nach den tödlichen Schüssen in der oberpfälzischen Gemeinde Berngau ist der mutmaßliche Täter von der Polizei überwältigt worden. In der Nacht zum Freitag (9. Oktober 2026) gelang es Spezialeinsatzkräften gegen 2.20 Uhr, in das Wohnhaus einzudringen, in dem sich der 60-jährige Tatverdächtige seit Donnerstagnachmittag aufgehalten hatte.

Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurden bei dem Zugriff auch Sprengmittel eingesetzt. Im Verlauf der Festnahme gaben Einsatzkräfte Schüsse ab, durch die der Mann am Bein verletzt wurde. Er konnte anschließend festgenommen werden und wurde medizinisch versorgt.

Damit endete eine stundenlange Bedrohungslage, die seit dem Vortag einen umfangreichen Polizeieinsatz im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz ausgelöst hatte.

Waffenkontrolle endet für zwei Landratsamtsmitarbeiter tödlich

Ausgangspunkt der Ereignisse war nach bisherigen Erkenntnissen eine Waffenkontrolle am Donnerstagnachmittag (8. Oktober 2026).

Zwei Beschäftigte des Landratsamtes Neumarkt in der Oberpfalz hatten sich demnach zu einer Überprüfung bei dem späteren Tatverdächtigen aufgehalten. Dabei kam es aus bislang ungeklärten Gründen zu mehreren Schüssen.

Ein 45 Jahre alter Mitarbeiter der Behörde wurde tödlich getroffen. Auch seine 54-jährige Kollegin erlitt tödliche Verletzungen.

Gegen 14 Uhr erreichten die Polizei mehrere Meldungen über schussähnliche Geräusche aus dem Gemeindegebiet. Daraufhin wurden zahlreiche Einsatzkräfte nach Berngau entsandt.

Bereits in der Anfangsphase des Einsatzes wurde der 45-jährige Mann tot aufgefunden. Die zweite Mitarbeiterin galt zunächst als weiteres mutmaßliches Opfer der Schussabgaben.

Erst am späten Donnerstagabend gelang es Spezialkräften, den Leichnam der 54-Jährigen aus dem betroffenen Wohnhaus zu bergen.

Nach Einschätzung der Polizei deuteten die Umstände darauf hin, dass auch die Frau bereits während der Schüsse am Nachmittag getötet worden war.

Tatverdächtiger verschanzte sich über Stunden in Wohnhaus

Während die Einsatzkräfte den Tatort absicherten, hielt sich der mutmaßliche Schütze weiterhin in dem Gebäude auf.

Die Polizei ging davon aus, dass der Mann für die tödlichen Schüsse verantwortlich sein könnte. Nach Medienberichten soll es sich bei dem 60-Jährigen um einen Sportschützen handeln, der zuvor nicht polizeilich in Erscheinung getreten sein soll.

Diese Angaben waren zunächst nicht abschließend offiziell bestätigt.

Nach Angaben der Polizei waren gegen 14 Uhr die letzten Schüsse gefallen. In den darauffolgenden Stunden blieb die Lage weitgehend unverändert.

Zwischenzeitlich bestand Kontakt zwischen der Polizei und dem Tatverdächtigen. Ein sofortiger Zugriff wurde zunächst nicht durchgeführt.

Die Einsatzleitung machte deutlich, dass sämtliche Maßnahmen sorgfältig vorbereitet würden. Auch die einbrechende Dunkelheit sollte keinen Einfluss auf die Entscheidung über den Zeitpunkt eines möglichen Zugriffs haben.

Großaufgebot mit Polizeihubschrauber und gepanzertem Fahrzeug

Die Ereignisse führten zu einem außergewöhnlich umfangreichen Polizeieinsatz in der rund 2.600 Einwohner zählenden Gemeinde Berngau.

Neben zahlreichen Streifenbesatzungen waren Spezialeinsatzkräfte vor Ort. Auch ein gepanzertes Einsatzfahrzeug des Spezialeinsatzkommandos wurde in Stellung gebracht.

Ein Polizeihubschrauber unterstützte die Maßnahmen aus der Luft.

Rund um das betroffene Wohnhaus und in weiteren Bereichen der Gemeinde wurden großräumige Absperrungen eingerichtet.

Die Polizei forderte die Bevölkerung während des laufenden Einsatzes mehrfach dazu auf, in den Häusern zu bleiben und diese nicht zu verlassen.

Die Sicherheitsmaßnahmen sollten verhindern, dass unbeteiligte Menschen in den Gefahrenbereich geraten.

Spezialeinsatzkräfte greifen gegen 2.20 Uhr zu

Nach stundenlangen Vorbereitungen entschied sich die Polizei schließlich in der Nacht zum Freitag für den Zugriff.

Gegen 2.20 Uhr drangen Spezialkräfte unter Einsatz von Sprengmitteln in das Gebäude ein.

Im Verlauf der Festnahme wurde der 60-Jährige durch Schüsse der Polizei am Bein getroffen. Nach bisherigen Angaben erlitt er dabei leichte Verletzungen.

Die Beamten konnten den Mann überwältigen und festnehmen. Anschließend wurde seine medizinische Versorgung veranlasst.

Mit der Festnahme endete die unmittelbare Bedrohungslage für die Bevölkerung.

Kriminalpolizei Regensburg übernimmt Ermittlungen

Nach dem Ende des Großeinsatzes konzentrieren sich die Ermittler nun auf die Aufklärung des Tatgeschehens.

Die Kriminalpolizei Regensburg hat die Ermittlungen übernommen. Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Umstände der Waffenkontrolle, der Ablauf der tödlichen Schüsse und ein mögliches Tatmotiv.

Warum der 60-Jährige auf die beiden Mitarbeiter des Landratsamtes geschossen haben soll, ist bislang nicht bekannt.

Auch die genauen Umstände des nächtlichen Polizeizugriffs werden untersucht.

Für den festgenommenen Mann gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Zwei Todesopfer und zahlreiche offene Fragen

Der Großeinsatz in Berngau endete mit der Festnahme des mutmaßlichen Schützen. Für die beiden Beschäftigten des Landratsamtes Neumarkt kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Ein 45-jähriger Mann und seine 54-jährige Kollegin verloren bei der mutmaßlichen Gewalttat ihr Leben.

Die weiteren Ermittlungen müssen nun klären, weshalb die routinemäßige Überprüfung der Waffenaufbewahrung derart eskalierte und was sich im Wohnhaus tatsächlich ereignete.

Stand: Freitag, 9. Oktober 2026, 10.45 Uhr. Grundlage sind die bislang vorliegenden Polizeiangaben und Medienberichte. Nicht offiziell bestätigte Einzelheiten sind entsprechend gekennzeichnet.